Zum Attentat in Paris

Als ich am Freitag dem 13.November den Fernseher einschaltete, um mir die Ergebnisse vom Match Frankreich gegen Deutschland anzusehen, waren die Stadion-Insassen bereits über das ganze Spielfeld verteilt. Ich dachte mir: „Die feiern wohl den Sieg ihrer Mannschaft.“ Dem war nicht so. Schnell bemerkte ich, dass sich überall Sicherheitskräfte befanden. Die Reporter sprachen zuerst von einer Massenpanik. Umgehend wurde mir klar, dass etwas Schlimmes passiert war. Auf ARD befragte man Fußballfans zur gegenwärtigen Situation. Diese sprachen von mehreren Toten und einer Explosion. Als ich dann die verschiedensten Nachrichtensender durchzippte, bemerkte ich blitzartig, dass zu diesem Zeitpunkt eine unglaubliche Tragödie in Paris stattfand. Auf Twitter wurden die Informationen im Minutentakt rausgeschossen und schon endete alles in einem großen Wirrwarr für mich. Welche Informationen sind gesichert, welche nicht? Was sagen offizielle Stellen dazu? Haben sich politische oder religiöse Vertreter bereits dazu geäußert? Wer steckt dahinter? Wie viele Tote gibt es nun wirklich?

Je länger das Attentat andauerte, desto mehr Tote waren zu beklagen. Ich saß ratlos vor dem Fernseher. Es erfüllte mich mit Trauer, dass ich nichts dagegen tun kann, außer vor meinem Computer zu sitzen und darüber zu twittern und meine Beileidsbekundungen zu schreiben. Es ist eine Schande. Und doch geht das Leben weiter. Als ich bereits drohte in eine starke Agonie zu verfallen, die in keiner Weise gerecht gegenüber den Opfern wäre, wurde mir bewusst: „Ich kann was dagegen tun. Einen Text schreiben!“ Denn jetzt ist Zusammenhalt in der Gesellschaft wichtiger denn je zuvor. Ob links oder rechts, schwarz oder weiß, arm oder reich, dick oder dünn, klug oder simpel. Alle Menschen müssen nun zusammenhalten und aufeinander achten und sich gegenseitig schätzen.

Gestern früh waren meine Gedanken pausenlos bei den Opfern des Anschlages von Paris. Aber auch bei jenen, die bei den Erdbeben in Japan und Mexico oder bei den Anschlägen in Bagdad und Beirut ums Leben kamen. Jeden Tag passieren so schreckliche Dinge auf unserer Welt. All diese Ereignisse treffen mich auch in gewisser Weise persönlich, da einige ziemlich gute Freunde von mir in diesen Ländern leben.

Die Attentate in Europa mögen nun zwar fürs Erste „vorüber“ sein, aber der Krieg auf unserem Globus ist voll im Gange. Der „Kampf“ gegen den Terror muss nun unbedingt beginnen sagen viele. Frankreich plant bereits Luftschläge gegen „Daesh“. Die USA und Großbritannien haben ihre Unterstützung zugesichert. Manche meinen, man müsse Männer an der EU-Außengrenze positionieren oder sogar, um das Vaterland zu verteidigen, die eigenen Staatsgrenzen dichtmachen, damit solche Anschläge verhindert werden können. Ich denke nicht, dass man durch die Schließung der Grenzen, Terrorakte verhindern kann. Das Beste Beispiel dafür ist wohl 9/11.

Unter anderem berichtete die Krone, dass ein 51-jähriger Montenegriner, quer durch Österreich ein Waffenarsenal im Kofferraum mitführte. Offenbar auf dem Weg nach Paris. Erst als ihn bayrische Grenzbeamte aufhielten, flog er auf. Die Anschläge wurden trotzdem nicht verhindert. Was haben die Behörden unternommen? Wie hätten sie es vereiteln können. Ich halte die Dichtmachung der Grenzen für einen kompletten Blödsinn. Bald kommt der Winter. Menschen, die sich auf der Flucht befinden, brauchen eine warme Unterkunft und gute Versorgung.

Vernünftige Stimmen meinen, man sollte stärker in den Dialog treten und versuchen die Menschen zu Sinnen zu bringen. Eine Sache, die ich überhaupt nicht verstehe ist, wie man die Refugees, welche genau vor solchen Terroristen fliehen, für diese Situation verantwortlich machen kann und Hetze gegen diese zu betreiben. Florian Klenk, Chefredakteur vom Falter äußerte sich auf Facebook dazu mit einem sehr treffenden Status-Update:

„IS-Terroristen von jenen zu unterscheiden, die vor dem IS-Terror zu uns geflohen sind, ist das Mindeste, was wir jetzt von Journalisten, Politiker und Experten erwarten dürfen.“

Und damit hat er vollkommen Recht. Man muss eben doch beide Seiten sehen. Wir dürfen nicht diesen verklärten schwarz-weiß Blick auf die Welt behalten, der uns in die Extremen zieht.

Natürlich verstehe ich jene, die Angst haben. In solch einer Situation stellen sich natürlicherweise extrem viele Fragen: „Ist Österreich sicher vor einem solchen Anschlag? Kann ein solcher Anschlag in meiner näheren Umgebung passieren? Sind wir in Europa noch sicher vor Gewalt in solch einem Ausmaß?“ Jeder der sich diese Fragen stellt, stellt sich diese Fragen auch berechtigt und mit gutem Grund. Denn wie man gestern gesehen hat, ist Europa anscheinend nicht sicher vor dem Terror. Ich halte nichts davon diese Menschen, die sich bedroht fühlen, als Nazis oder Rechtsextreme zu dämonisieren. Doch will ich ihnen auch entgegnen, dass ein Terrorist der „Daesh“ sicher nicht mit dem Boot über das Mittelmeer, oder über den Fußweg nach Österreich gelangt. Sondern ganz normal mit dem Flugzeug oder eben mit dem Auto von Montenegro. Das Terrornetz ist ein weltweites. Die Informationen, die in den Medien verbreitet wurden, dass der Attentäter über Griechenland in die EU kam, sprechen zwar eine andere Sprache, doch weiß ich auch nicht inwiefern man dem Glauben schenken kann. In großer Panik passieren nun doch auch manchmal Fehler oder Manipulationen denke ich. Das ist einfach menschlich. Außerdem befinden sich nicht nur Syrer und Irakis in der Organisation der „Daesh“. Viele sind Söldner aus England, den USA, Australien oder eben auch Montenegro, wie der Bericht der Krone zeigt. (Obwohl es ebenso noch nicht bestätigt ist, dass dieser Mann ein IS-Terrorist ist.) Ich möchte erinnern, dass die Polizei dieses Jahr sechs GI’s am Wiener Flughafen ihre Waffen abgenommen hat, weil sie ohne Erlaubnis damit in die Ukraine reisen wollten. Lange Rede, kurzer Sinn. Mein Punkt ist: „Lasst die Refugees aus dieser Sache raus!“ Natürlich muss man sich auch dieser Situation stellen, aber mit blindem Hass gegen fremde Menschen, die ihr nicht kennt, kommt niemand von uns weiter.

Die Fragen, die ich mir dabei vordergründig stelle sind: „Wo sind die Geheimdienste gewesen? Warum konnte man derartige Pläne nicht zurückverfolgen? Beschäftigen die „Daesh“ Master-Hacker oder war der Terror-Akt perfekt ausgetüftelt, ohne jegliche Benutzung von Telefonen, die man abhören könnte?“ Die CIA und das FBI haben sich jahrelang dem Kampf gegen den Terror gewidmet und in Guantanamo teils unschuldige Leute gefoltert, um Informationen aus ihnen herauszupressen. Bush und Cheney rühmten sich mit diesem „Kampf gegen den Terror“. Und was hat er im Endeffekt gebracht? Die komplette Destabilisierung Syriens und des Iraks, in dem ein Terrornetzwerk geschaffen wurde, dass sich der Vernichtung der westlichen Welt verschrieben hat. Ich möchte damit natürlich nicht andeuten, dass allein die Geheimdienste oder die Bush-Administration an diesem Anschlag schuld sind, das wäre hochgradig absurd. Aber ich finde es doch ein wenig perplex, dass die größte Demokratie der Welt unter Bush junior in einen unsinnigen Irak-Krieg gegen Massenvernichtungswaffen gezogen ist, welche nie existiert haben und sich dann auch noch wundert, warum radikale Islamisten sich möglicherweise komplett verarscht fühlen. Im Großen und Ganzen denke ich, dass wenn man die eigenen Bürger abhört, wie der NSA Skandal gezeigt hat, sollte man auch in der Lage sein Terrornetze abzuhören und auszuheben. Vielleicht ist das nur eine absurde, herbeigewünschte Utopie, aber die Anschläge von Freitag dem 13. haben gezeigt, dass wir sie unbedingt herbeisehnen sollten.
Stefan Schauer

2 Gedanken zu „Zum Attentat in Paris“

  1. Der Beitrag ist zwar schon etwas her, aber ich finde ihn sehr schön formuliert! Ich weiß noch genau, wie mich mein Freund nachts aufgeweckt und mir die N24-Nachrichten-App vor die Nase gehalten hat. Danach konnte ich einfach nicht mehr richtig schlafen. Und am nächsten Morgen hatte ich so ein merkwürdiges, taubes Gefühl…einfach unfassbar was diese Menschen erleben mussten. Dein Abschnitt :“Vernünftige Stimmen meinen, man sollte stärker in den Dialog treten und versuchen die Menschen zu Sinnen zu bringen. Eine Sache, die ich überhaupt nicht verstehe ist, wie man die Refugees, welche genau vor solchen Terroristen fliehen, für diese Situation verantwortlich machen kann und Hetze gegen diese zu betreiben.“ Genau das denke ich auch! /
    Liebe Grüße von Pialalama

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