Zum Wohl der Demokratie

Am 19.November kamen zahlreiche Menschen zusammen, um auf die politischen Entwicklungen unserer Zeit aufmerksam zu machen. Sie wenden sich an Politverdrossene und an jene, die denken, dass der Kampf um Freiheit und Demokratie bereits verloren ist.

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© Fotos by Thomas Windisch

Die zahlreichen Designergeschäfte und Kaffeehäuser in der Mariahilferstraße können sich heute definitiv nicht über schlechtes Geschäft beschweren. In Massen strömen die Menschen durch die beliebteste Einkaufsstraße der Wiener Innenstadt, Touristen versammeln sich rund um Stadtkarten und machen sich auf den Weg, um die Stadt mit Geld zu fluten. Ein Punk zieht seine Runde, schaut betreten durch die Gegend. Am Platz der Menschenrechte macht Mario Krendl noch ein paar letzte Anrufe und versichert sich das alles nach Plan läuft. Unter dem Motto „Wir sind viele“ haben Krendl, Maximilian Byloff und Klaus Kastenhofer die Bewegung 11/9 ins Leben gerufen. Ob das Wetter halten wird ist zu diesem Zeitpunkt noch unklar.

Die Organisatoren der „Bewegung vom 9.November“ arbeiteten eine Woche lang unermüdlich, um dieses Projekt zu realisieren. Redner der „konstruktiven Parteien“, (NEOS, den Grünen, SPÖ) von Nichtregierungsorganisationen, (Asyl in Not, Volkshilfe) Schriftsteller, Musiker und Künstler versammelten sich an diesem Samstag im Museumsquartier. Sie alle wollen ein Zeichen gegen Hass, Intoleranz und Hetze setzen. Als Anlass dafür sehen sie die Wahl von Donald Trump zum US Präsidenten, aber auch den Aufstieg der radikalen Rechten in Ländern, wie Deutschland, Frankreich und vor allem auch Österreich. Wie der Name bereits sagt wurde diese Initiative am 9.11, dem Tag der US Wahl gestartet: „Heute vor 10 Tagen sind wir nach der Wahl von Donald Trump, in einer Welt aufgewacht, die ich mir persönlich vor ein paar Jahren noch nicht vorstellen konnte“, sagt Byloff und wendet sich dabei an die ca. 40-50 Demonstranten, die gekommen sind um ihre Solidarität mit all jenen, die aufgrund von religiösen, politischen oder menschlichen Motiven verfolgt oder verhetzt werden, zu bekunden. Es müsse mehr Bündnisse geben, die in unserer demokratischen Gesellschaft auf die Straße gehen und diese Missstände ansprechen. Das ist der allgemeine Konsens unter den Teilnehmenden der Kundgebung. Vertreter von den NEOS, den Grünen, der SPÖ, Asyl in Not und der Volkshilfe sind zum Platz der Menschenrechte gekommen, um mit ihren Worten zu bewegen. Die Initiative wird auch durch NGO’s wie Greenpeace und Global 2000 unterstützt. Auch zwei Flüchtlinge aus Irak und Syrien referierten über ihre Lebensgeschichte.

Faika El-Nagashi von den Grünen ist die erste Rednerin und wirft in ihrer Rede die Frage nach der Spaltung der Gesellschaft auf: „Warum erschaffen wir eine Zweiklassengesellschaft und eine Mehrklassengesellschaft? Warum unterteilen wir Leute in verschiedene Kategorien, warum diskutieren wir bei den Kürzungen von Sozialleistungen darüber, ob sie allen Menschen gleichermaßen zustehen oder nicht?“ Damit spielte sie auf die erst vor kurzem gekürzte Mindestsicherung und Wohnbeihilfen an. Die Politik ist an einem einheitlichen Konzept, die für alle funktioniert gescheitert und wieder einmal müssen es die Ärmsten unserer Gesellschaft ausbaden.

Nicht nur Fakir El-Nagashi sprach an diesem bewölktem Vormittag, sonder unter anderem gaben auch Erich Fenninger (Volkshilfe), Christoph Wiederkehr, (NEOS) Senol Akilic (Bildungsakademie Wien), Michael Genner (Asyl in Not), Berivan Aslan (Die Grünen) und Katharina Schinner (SPÖ) Wortmeldungen ab.

Für die musikalische Untermalung der Demo ist Herbert von Austria zuständig. Mit seiner Gitarre schmettert er alte Klassiker von Georg Danzer und STS in die Menge hinaus. Auch hier bekommt man, trotz der Vielfalt, das Gefühl von Heimat vermittelt. Warum sollte man diesen Begriff auch nur dem rechten Lager überlassen?

Solidaritätsbekundungen kommen aus der ganzen Welt. Leute aus Israel, Saudi-Arabien, Frankreich, den USA, Deutschland und vielen anderen Teilen der Welt bleiben stehen und interessieren sich für das was hier passiert. Das Trump nun der mächtigste Mann der Welt sei, stellen viele aber in Frage. Eine Passantin aus den USA meint: „We can still love and respect each other, no matter who is our president.“ Aber nicht nur freundlichen Worte, sondern auch Anfeindungen bekommt man hier zu hören: „Wir müssen zuerst auf unsere Menschen schauen. Ich lass’ mir von dem Gsindel doch nicht meine Arbeit wegnehmen“ oder „Wenn noch mehr von denen zu uns kommen, können wir uns gleich eingraben. Ihr werdet euch noch alle anschauen, wenn der Hofer Präsident ist.“

Die Kundgebung vom 19.November 2016 soll erst der Anfang einer neuen Sturm und Drang Initiative sein, die gegen Demagogen auf der ganzen Welt und für ein vereintes Europa eintreten will. Die 68er Bewegung soll wieder hochleben. Die Menschen brauchen wieder Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben, auf eine gemeinsame Zukunft. Ob es weitere Kundgebungen dieser Art geben wird ist noch nicht an die Öffentlichkeit vorgedrungen. In den nächsten Tagen werden wir sehen, ob die Initiatoren weitere Events planen.

Stefan Schauer

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