Manchmal frage ich mich: „Ist es diesen ganzen Aufwand überhaupt wert? Ist es all die Zeit, die ich mich mit diesem einen Thema beschäftige überhaupt wert? Ist es all die Stunden, die ich in Discos, Konzerthallen, Plattenläden, Proberäumen und auf YouTube verbracht habe überhaupt wert?“ Jedes Mal fällt mir die Antwort plötzlich wieder ein und zwar genau nachdem ich meine Zigarette ausdampfe: „Bevor ich die Musik aufgebe, jage ich mir eine Kugel in den Kopf!“ Gerade vorher war da wieder einmal dieser Augenblick. Eingeschüchtert von diesem depressiven Gedanken, begebe ich mich in mein Zimmer und schalte Lithium von Nirvana ein. „Sollte ich nicht lieber für mein Studium lernen und mich in die große, weite Welt begeben? Networken, schreiben und ganz viel lesen?“ schießt es mir durch den Kopf. „Nein“, denke ich mir, denn dafür bin ich doch viel zu cool. Rockstar sollte ich werden! Seufzen hallt durch mein Zimmer, als ich den Stundenplan im FH-Joanneum Tool öffne, E-Mails schreibe und mir Notizen zu den einzelnen Fächern mache. Ich lebe nun für diese Hochschule, doch in Gedanken ziehe ich schon wieder genüsslich an meiner Zigarette und warte bis die Zeit mich einholt, um aus mir Vergangenheit und Asche zu machen.
Wow, Nirvana hat wirklich hart auf mich abgefärbt und mir fällt wieder ein welch manipulierende Wirkung Musik auf den menschlichen Verstand haben kann. Denn diesmal wird alles anders kommen. Meine Motivation ist so groß, wie alle drei Ozeane zusammen.
In meiner Playlist erscheint Hello, Young Lovers aus dem Musical The King and I, von Rodgers und Hammerstein. Das Leben macht wieder Sinn für mich. Interpretiert wird dieses Stück Musikgeschichte von Hank Mobley, einem genialen Jazz-Saxophonisten, der den Hardbop mitbegründete und wie viele geniale Jazzer zu früh von dieser Erde gehen musste. Schon krass wie Musik die persönliche Stimmung beeinflussen kann, denke ich mir, schalte iTunes aus und fange an meine Gitarre zu stimmen. 432 Hz oder doch lieber 440 Hz? Drop D oder doch lieber in einer alternativen C-Stimmung? Egal, ich muss einen Song schreiben. Einen Song, der Generationen beeinflusst, einen Song der alle Frauen in Ohnmacht fallen lässt, einen Song der meine Gefühlswelt widerspiegelt. Ich fange an zu singen, während ich leise den F-Chord zupfe: „I’m still breathing, I can hear them walk“. Das hat schon jemand vor mir geschrieben, gesungen oder gegrölt, denke ich mir. Hätte Mann oder Frau doch nur die Telepathie schon erfunden, dann könnte ich nun dort sitzen und zusammen mit dieser Person singen. Ich erweitere mein Repertoire auf einen E-Blues und beginne zu schreiben: „I’m so blue, don’t let me down, let it be, baby i just wanna be free.“ Ernsthaft? Zwei Beatles Songs in ein und derselben Zeile? Ich begebe mich wieder an meinen Schreibtisch und fange an die Salzburger Nachrichten zu lesen. „Wörter die zu Noise und Blues werden: vom Underground zur Kunst“, steht dort in einem Untertitel. Ich fühle mich zerrissen.
Als angehender Journalist muss ich mich nun fragen und erörtern, ob diese Informationen, die ich hier niederschreibe für mein Publikum „newsworthy“ sind. Immerhin hat es die SN geschafft, warum also nicht ich? Banale Frage, denk ich mir und lasse die Playlist weiterlaufen, während ich langsam beginne die Pflichtlektüre zu durchwühlen und meine Woche vorzubereiten. Die Musik hat mich schon wieder gefangen. Ein Lied, welches für mich immer zeitgemäß bleiben wird ist Boom, Boom von John Lee Hooker. Dieser Klassiker steht als nächstes auf der Speisekarte meiner iTunes Mediathek. Ich trage ihn raus an euch, damit ihr diesen genialen Menschen nie vergesst und ihn immer in eurem Herzen tragt. Ein weiterer großer Musiker, den ich nie live sehen konnte, da er weit vor meiner Zeit wirkte. Kitschig, ich weiß.
Hank Mobley und John Lee Hooker kann man nur schwer miteinander vergleichen. Mobley war Soulmusiker und Jazzer aus New Jersey und Hooker, ein Bluesmusiker aus Clarksdale, Mississippi, der neben seinem Instrument, der Gitarre, auch Texte schrieb und sang. Doch beide waren begnadet, in dem was sie taten und beide bereiteten extrem vielen Leuten Freude durch ihre Passion. Eine große Freude. Ihre Musik ist bis heute und in alle Ewigkeit unsterblich. Manche ihrer Songs erzählen von den Sorgen und Freuden des Lebens in einer Weise, die schlicht berührt. Andere rütteln und schütteln mich, bis ich erschöpft an meinen Schreibtisch sinke und wieder beginne zu schreiben. Es kommt mir so vor, als würden sie direkt vor mir stehen, diese zwei alten Haudegen.
Halluzinier‘ ich jetzt schon? Verstorbene, schwarze Männer, einer von ihnen singt „Come on Baby, I just wanna do the Boogie“ oder „Oh Baby, give me what i want“ und haucht dabei ins Mikrofon, während der andere Liebe mit seinem Instrument macht. Wahrlich ein Genuss, in den leider nur die wenigsten kommen. Denn obwohl Musiker, wie jene zwei, unsterblich sind, so ist unsere junge Generation großteils doch mit David Guettas‘ oder Steve Aokis‘ USB-Mukke verseucht. Durch das Internet gibt es zwar so viele Möglichkeiten verschiedene Arten von Musik zu erforschen, doch ob Genres, wie der Blues, der Jazz oder der Rock den Mainstream zurückerobern werden ist fraglich. Wohl eher nicht.
Und genau deswegen werde ich die Musik verdammt noch mal niemals aufgeben, komme was wolle. Mein Studium natürlich auch nicht. Wäre ja noch schöner.
Nächste Woche schreibe ich über den Jazz-Mittwoch im Babenbergerhof und außerdem dürft ihr auf den schottischen Indie-Musiker Inkfields gespannt sein, den ich im Zuge meiner neuen Rubrik Newcomers interviewt habe. Ich hoffe ihr hattet Spaß beim Lesen und denkt euch nicht: „Boah, schon wieder drei vergeudete Minuten“ oder „Alter, kauf dir ein Wörterbuch und lern Interpunktion.“ Über jegliche Kommentare, Rückmeldungen und Verbesserungsvorschläge freue ich mich natürlich besonders.
Euer Stefan, der sich jetzt zum hundertsten Mal Money von Pink Floyd anhören und sich dabei denken wird, warum er nur so pleite ist und sich noch immer kein Keyboard leisten kann.
Peace and Out
TOP TOP TOP! Leiwander Text! Interpunktion kann ich auch nicht. Und gröhlen kann man sicher auch mit Doppel-L 😀
I <3 MUSIC! Ich versteh jedes Wort, das da steht! 😉
… und immerhin ist mein „h“ da oben auch falsch 😀
danke für das nette Kommentar, werde dann gleich nochmal drüberschauen xD
‚Cause all I need is music and the free electric baaaand….
An das Lied hat mich dein Beitrag erinnert!:)
Ist es allein der lyrics wegen wert, sich mal anzuhören:)
Toller Beitrag. Inspirierend und amüsant!Hat mich zum lächeln gebracht-danke dafür:)