Geschichten aus dem Leben eines Träumers Teil 2

Doppeltes Spiel

Ein neuer Tag hat begonnen. Ich schreibe wieder. Freude kommt auf. Der Winter hält noch ein. Die Kälte ist zwar nicht so schlimm, wie ich mir gedacht hätte, aber die Dunkelheit legt sich über die Gemüter. Schreitet die globale Erwärmung voran? Im Radio höre ich, dass wir uns auf die 3-4 Grad Erderwärmung hinbewegen. Aber die politischen Großmächte tagen ja in Paris. Puuuh! Nochmal Glück gehabt. Der Klimawandel wird wohl doch warten müssen. Die Ziele bei der Klimakonferenz: Die Erderwärmung auf 2 Grad Celsius zu senken. Zurzeit stehen wir bei 3-4 Grad Celsius. Wie soll das möglich sein? Seit Jahren wird darüber geredet, wie man die vergangenen Fehler der Menschheit wieder gut machen kann. Doch ich glaube, die Menschheit sollte sich auch diese berechtigten Fragen stellen: „Wie viel CO2 wird wohl diesmal, durch die Limousinen und Flugzeuge der Staatschefs, die an der COP21 teilnehmen, ausgestoßen werden? Gibt es darüber schon eine Statistik? Vielleicht wäre es besser bei einem Skype-Meeting über die Richtlinien der großen Konzerne zu beraten und diese dann vor Ort strikt zu kontrollieren? Wie oft wollen sie sich noch beraten, bis eine „globale Einigung“ erzielt wird?“ Allein der Wille etwas zu verändern ist doch schon einmal ein „toller Anfang“ und wird groß gesehen. Aber es kommt anders als erwartet. Angeblich soll es Fortschritte gegeben haben. Die Allianz soll großen Kohlewerken die Finanzierung entsagen, erfahre ich abends in der ZIB2. Was die Öffentlichkeit jedoch sieht, sind händeschüttelnde Politiker, die sich in Zeiten der „großen Krisen“ staatstragender als je zuvor geben. Der Trend geht also in Richtung erneuerbare Energien? Vielleicht sollten Angela Merkel, Francois Hollande  und Co jetzt einfach mal bequem zu Hause bleiben, Tee trinken und  die Telefone abschalten. Aber dann würden die bösen Großkonzerne noch mehr Abgase produzieren und noch mehr Chemikalien in unsere Flüsse und Weltmeere leiten, um sich an den Verkaufszahlen und Marktabsätzen aufzugeilen. Wer hinter all dem ein doppeltes Spiel vermutet, wird denunziert und als „Negativist“ angesehen.

Utopia

Als ich gestern aus diesem utopischen Traum aufwachte, in der die Welt ein großer Garten ist und die Früchte der Erde uns ernähren, ohne Gegenleistung dafür zu verlangen, unsere Kleidung aus Leinen besteht und die Sonne 18 Stunden am Tag scheint. Es herrscht kein Krieg und Konflikt wird durch Liebe gelöst. Die süßen Trauben und Pflanzen dieser Erde berauschen uns in all ihrer Schönheit. Manche würden es als Himmel bezeichnen. Ich beschreibe diesen Zustand als Traum. Als ich aus diesem aufwachte, sah ich auf meinem Handy eine Nachricht, welche mich zuerst überraschte und dann in allen Maßen freut. Ein Liebesbrief? Nein. Der Absender beteuert zwar, es sei keiner, doch hängt er ans Ende der Nachricht einen „Kusszwinker“-Smiley. Brüderliche Liebe! Schade, ein Liebesbrief wäre auch toll gewesen. Mein Schweizer Freund hat mir einen ziemlich guten Denkanstoß gegeben, er sagte: „Jede Gesellschaft hat ihre Stärken und Tücken, das merk ich grad auch an mir selbst. Ich bin seit anderthalb Wochen wieder in Costa Rica, kann alte Gedankengänge plötzlich wieder nachvollziehen. Es läuft anders hier, auch ich.“ Meinen guten Freund Manuel Feldmann würde ich als Philosophen und Denker bezeichnen. Das war er schon immer. Als wir uns kennen lernten hatten wir eine mehrstündige Diskussion über den Sinn des Lebens. Immerhin ist er ja auch Schweizer 😉 Albert Einstein, Max Frisch, Friedrich Dürrenmatt und viele andere Denker und Schriftsteller hat das kleine Land, von welchem man sagt es sei der Tresor der Welt im Herzen Europas, hervorgebracht. Ich finde es schön, dass er zurückgekehrt ist und mir von seinen Erfahrungen berichtet, nachdem er meinen Blog gelesen hat. Gleichzeitig erfüllt es mich aber mit Trauer, dass ich es noch nicht geschafft habe nach San José, Puerto Viejo-Limon, San Ramon-Alajuela, Playa Tamarindo-Guanacaste, Bahia Ballena, Corcovado, Cartago, Trés Rios und in meine Lieblingsgegend Curridabat zurückzukehren . Wo sind all die Erwartungen geblieben? Luftschlösser umringen meinen Geist, nur werden sie mit steigendem Alter immer klarer vor meinem geistigen Auge erscheinen. So war ich doch 11 Monate in diesem fernen Land zu Hause, habe dort gelebt, bin dort zur Schule gegangen, habe neue Erfahrungen gemacht und alte Gewohnheiten durchlebt, neue Freunde und Liebschaften gewonnen und auch Gelegenheiten verpasst. So wie das Leben nun mal spielt. Es wurde gefeiert, gefeiert, gefeiert. Kein Land der Welt ist frei von Problemen, aber ich kenne bis jetzt noch keines in dem das Leben mit einer derartigen Leichtigkeit, wie in Costa Rica zelebriert wird.

„Warum gibt’s hier mehr Armut?“ fragte mich der liebe Manuel in einer weiteren Nachricht und schickt ein Foto von den Straßen meiner ehemaligen Heimat. Diese Frage zu beantworten würde wohl eher in einem vagen Versuch, die westliche Ausbeutergesellschaft zu beschreiben. Oder die Relaxtheit der SüdamerikanerInnen. Ich würde nicht sagen, dass es dort mehr Armut gibt. Wirtschaftlich gesehen ja, aber die Lebensfreude und die schlichte Zufriedenheit der dort ansässigen Menschen ist ein viel höheres Gut meiner Meinung nach.

Im Wartezimmer der Ambulanz

Gegenüber von mir sitzt eine älterere Frau. Sie liest in einem Buch. Vielleicht ist es ihr Krankheitsbericht oder auch ein altes Tagebuch. Doch sie liest mit solcher Besonnenheit, dass ich nicht an schlechte Nachrichten glaube. Sie lächelt mich an. Das Leben war gut zu ihr. Nebenan ihr fürsorglicher Mann. Ab und zu schaut er ihr über die Schulter, sagt etwas, dann nickt sie zustimmend und es herrscht wieder Schweigen.

Nebenan zwei Schwestern. Sie empören sich über die Männerwelt. Anscheinend wurden sie versetzt oder verletzt. „Alle Männer sind doch Schweine“. Ärzte diskutieren über ihre nächtlichen Streifzüge. Pfleger bringen das Frühstück der Kranken. Im Minutentakt erscheinen neue Leute. Die meisten grüßen, die anderen sind in Gedanken versunken. Es wird mir immer klarer, dass alles in sich vernetzt ist. Manchmal fühle ich mich dabei, wie eine hilflose Fliege, die ins Netz der großen Spinne geflogen ist. Langsam schleicht sie sich von hinten an. Dabei dient alles einem größeren Sinn. Ist es ein Gott, der uns kontrolliert, der uns von oben lenkt und die Fäden unserer Gehirnzellen zieht? Schickt er uns absichtlich auf Irrwege, um von unseren Fehlern zu lernen? Das bezweifle ich.

Vorgestern habe ich in meinem Eintrag kurz die Gesundheit angeschnitten. Sie ist das höchste Gut für uns alle, meinen viele. Doch das Größte war für mich schon immer die Liebe. Man muss sie nur ergreifen und erfassen. Schon allein das Gefühl geliebt zu werden strahlt so viel Licht und Wärme aus, dass man denken sollte, es geht gar nicht anders. Man sollte meinen, dass man zurücklieben muss. Doch leider ist die Liebe oft auch kompliziert. Ich denke, dass ich weniger denken sollte, denn die Liebe ist ein wesentlicher Faktor, der zu unserer Gesundheit beträgt. Es zieht sich durch den ganzen Globus. Auch wenn es in jedem System „Tücken und Stärken“ gibt, so dominiert doch überall die Liebe.

Stefan Schauer

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